Der Mann mit dem Hammer!

Louu/ August 7, 2020/ Kraftausdauer/ 0Kommentare

Mitunter einer der anstrengendsten Runden seit dem ich mit dem Radsport begonnen habe. Der Trainingsimpuls lag heute bei 293 Stresspunkten, zum Vergleich: Im Durchschnitt liegt er bei rund 150-190 Stresspunkten. Der Himmel war wolkenlos und die Sonne schien ununterbrochen.

 

Die ersten zwei Kilometer …

… raus aus Schönebeck ging ich direkt viel zu hart an, insgesamt hatte ich sechs Intervalle unbeabsichtigte Intervalle mit einer Länge von je einer Minute. Im Grunde genommen kann man also sagen, dass die meiste Energie welche mein Körper mir zur Verfügung stellt schon am Anfang in den Wind geschossen habe. Das ist nicht gerade die beste Voraussetzung für eine Trainingsrunde am Berg. Meiner Meinung nach ging ich zu leichtsinnig mit dem Gedanken um, das ich nach 20 Kilometern einen Anstieg von 1-2% im Durchschnitt, gestreckt auf 5-6 Kilometern fahren muss. Aber gut, die Quittung erhielt ich dafür später.

Mittlerweile kenne ich jeden einzelnen Stein, jedes einzelne Loch im Asphalt und jede einzelne Ein und Ausfahrt auf der Landstraße von Grünewalde nach Elbenau, auf der Plattform Strava ist ein Segment auf dieser Straße erstellt wurden, dort erreichte ich mittlerweile die Auszeichnung ‚Local Legend‘ weil ich diese Straße in den letzten 90 Tagen 36x befahren habe. Das Segment selbst ist 1,25 Kilometer lang. Auf der Straße musste ich leider auf die Gegenspur ziehen um zwei Radfahrer zu überholen welche sich ebenfalls in Richtung Elbenau begaben, direkt danach habe ich noch einen Rennradfahrer in weißer Bekleidung getroffen, wir beide haben uns nett gegrüßt und angelächelt, wie es eben üblich ist. Einige Meter weiter verschluckte ich mich an einem Insekt und versuchte Rechts in die Wiese zu spucken, dabei vergas ich jedoch den Wind weshalb ich die volle Ladung abbekam.

In Elbenau angekommen hieß es erst einmal runterfahren. Mein Puls war hoch, mein Herz schlug mit 179 Schlägen pro Minute, das ist ein Bereich der außerhalb meiner Komfortzone ist, da ich jeden weiteren Schlag in meinem Körper merke und sich ein Druckgefühl durch meinen Brustkorb zieht. Davon abgesehen bekomme ich einen ziehenden Schmerz in der linken Schulter, dieses Phänomen habe ich schon seit Monaten, weiß bisher aber noch nicht woher es kommt. Nun musste ich jedoch erst einmal den Speichel von meinem Ohr entfernen, das Insekt war zum Glück bereits weg.

Weiter in Richtung Haberlandsbrücke. Grundsätzlich benutze ich den Radweg welcher direkt neben an liegt nicht. Der ist durchzogen von Wurzeln, die Fahrt mit hohen Geschwindigkeiten gestaltet sich dort schwierig. Auf halber Strecke kam mir dann ein Mähdrescher entgegen welcher hinter sich vier PKWs aufhielt. Einer der PKWs in Schwarz, scherte aus und wollte anscheinend überholen, sichtlich desinteressiert dessen das ich mit 35 km/h auf ihn zurase fuhr er seelenruhig wieder in die Lücke des vor ihm und hinter ihm liegenden PKWs.

Auf der Hochwasserschutzanlage konnte ich dann wieder etwas mehr Gas geben. Die Sonne knallte weiterhin mit +30°C auf mich ein und mein Körper verlor immer mehr an Flüssigkeit. Der „Damm“ wie man ihn hier liebevoll getauft hat, war heute erstaunlich leer. Normalerweise trifft man bei schönem Wetter entsprechend viele Rentner und andere Rennradfahrer an. Die letzten Aufnahmen wurden bei der Abfahrt in Richtung Pretzien erstellt, danach verabschiedete sich der Akku meiner Kamera. Bedauerlicherweise hatte ich den zweiten Akku nicht eingepackt, da ich eigentlich gehofft habe das einer vollkommen ausreicht. Falsch gedacht, offensichtlich.

Danach ging es weiter in Richtung Dannigkow, auch dort befindet sich ein Segment mit dem Namen „Attacke Dannigkow“ welches ich eigentlich mitnehmen wollte, es jedoch nicht mehr konnte. Mein Energiespeicher war schon fast leer und ich schlenderte mit gerade einmal 29 km/h und einem Puls von 176 Schlägen pro Minute dort entlang. Für diese Geschwindigkeit ist der Puls viel zu hoch! Nun ging es zur eigentlichen Herausforderung „Bergsprint Leitzkau“ – wie ich schon vorherigen Posts schon einmal sagte bin ich am Berg absolut unbrauchbar. Aber von nichts, kommt nun einmal nichts. Und drum herum komme ich auch nicht ein paar Trainingsstunden am Berg zu verbringen. Rein-getreten, angefahren mit 45 km/h. Voller Motivation, Ehrgeiz und einem guten Gefühl ging es die ersten 500 Meter Bergauf bis der „Mann mit dem Hammer“ sich vorstellte. Der „Mann mit dem Hammer“ ist eine Bezeichnung welche im Ausdauersport für einen rapiden Leistungseinbruch infolge von Kohlenhydratmangels hervorgerufen wird. Alternativ sagt man dazu auch „Hungeragst“. Dabei sinkt der Blutzuckerspiegel und führt zu Glucosemangel im Zentralnervensystem wodurch es zu Müdigkeit und Schwindel, in seltenen Fällen sogar zur Bewusstlosigkeit kommen kann.

Entsprechend ging nichts mehr, mir war schwindelig, meine Beine waren wie aufgeweicht und mein Kreislauf machte nicht mehr mit weshalb ich mich mit satten 15 km/h den Berg hinauf quälte. Da ich allerdings ziemlich Dickköpfig bin versuchte ich zwischendurch die Attacke noch einmal aufzubauen. Doch leider ohne Erfolg, für einige Sekunden schaffte ich es auf 35-40 km/h, brach dann anschließend wieder auf 15 km/h ein.

Den restlichen Weg nachhause bin ich gerollt, es ging den Anstieg wieder hinab und ich hatte Rückenwind. Merke: Immer genug vorm Sport essen.

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