100 Kilometer in 4 Std

Louu/ Juli 27, 2020/ Sonstiges/ 0Kommentare

Der letzte Post ist schon eine Weile her, das hat den einfachen Grund das ich aufgrund von privateren
Angelegenheiten vorerst aufhören musste strukturiert zu trainieren. Die Fahrten seit dem 12. Juli waren
lasch, mir fehlte die nötige Energie, um Leistungen zu erbringen, weshalb es auch nicht viel gab, was
ich hätte darüber schreiben können.

Am Samstag, dem 25. Juli 2020 fuhr ich um 9:51 aus meinem Heimatort los, mit dem Ziel Magdeburg einmal komplett zu umrunden und einige Städte und Orte zu entdecken die ich zuvor noch nicht kannte. Mein Rennrad wiegt an sich rund 7–9/10 kg, an sich also relativ leicht. Mit dem ganzen Gepäck, welches ich dabei hatte, wog das Rennrad locker 11-12 kg. Kurze zeit hatte ich sogar Angst das mein Rahmen schlapp macht und musste mitten bei der Fahrt erst einmal checken wie viel Gewicht das Rennrad an sich tragen kann. Was hatte ich denn überhaupt dabei?

 

  • 3x Trinkflachen (2x 0,5 l Flaschen gefüllt mit kaltem Tee , 1x 0,75 l Flasche gefüllt mit Eistee) um den Zuckerhaushalt stabil zu halten)
  • 4x Energie-Riegel (Protein & Kohlenhydrate)
  • 1x Flickzeug
  • 2x Reifenheber
  • 1x Paar Faltreifen für den Notfall
  • Kettenöl
  • ein bisschen Werkzeug
  • mein Handy
  • ein Zettel mit sämtlichen, wichtigen Nummern falls ich nach einem Unfall nicht ansprechbar bin.
  • Fahrradhandschuhe (die mit dem Simpsons Motiv :D )
  • Hausschlüssel
  • 1x Power Bank

 

Die ersten 16,9 Kilometer

 

Wenn ich mir die nun entstandene Liste anschaue, frage ich mich warum ich die große Oberrohrtasche mitnahm, andererseits wäre der Platz den ich in meinen Trikot Taschen und der Satteltasche zur Verfügung habe, sehr eng geworden. Nun, wie erwähnt ging es um 9:51 aus Schönebeck über die Elbauen Brücke nach Ostelbien hinaus. Die ersten Orte waren mir mittlerweile nicht mal mehr fremd da ich diese beinah regelmäßig durchquere. 10 Kilometer bei wenig Wind auf einer wenig befahrenen Landstraße, das wäre für mich normalerweise ein Anlass gewesen meinen Körper zu quälen und mit 40 km/h im Durchschnitt die 10 Kilometer durchzurasen, aber mit gefühlten 200 Kilogramm Gepäck dabei gestaltet sich das schwieriger als gedacht, also ging es mit gerade einmal 26,8 km/h im Schnitt in Richtung Hochwasserschutz Anlage. Ich fahre nicht häufig so große Runden, gerade da Zeitfahrrennen eher im kleineren Maße gehalten werden, aber ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich nach diesen 10 Kilometern schon keine Lust mehr hatte. Die darauffolgenden 6,9 Kilometer waren angenehm, die Wege auf der Schutzanlage sind gut asphaltiert und sorgen für geringen Rollwiderstand. Bevor ich es vergesse, auf meinem Wahoo Elemnt stellte ich ein, das er mir alle 30 Kilometer Bescheid geben soll, damit ich eine Pause machen kann, außerdem blendete ich die aktuelle Geschwindigkeit, und ØGeschwindigkeit für 75 Kilometer aus, dies hatte den einfachen Zweck das ich mich mehr auf meinen Körper konzentriere und nicht auf Werte die eigentlich, für mich, wichtig sind. Nun jedoch zurück zur Schutzanlage. Irgendwann fing mein Vorderreifen an komische, klackende Geräusche von sich zu geben, mit dem Gedanken daran das meine 100 Kilometer Runde nun nach 15 Kilometern vorbei sein könnte, deprimierte mich etwas. Aber: nach kurzem Check konnte ich keine Panne oder etwas ähnliches feststellen.

 

Biederitz | Kilometer: 20 km – Zeit: 49 Minuten

 

Ich gebe zu, wenn ich durch Biederitz fahre, muss ich immer an dieses eine Pokémon denken welches wie ein Biber aussieht. Radwege habe ich dort vergeblich gesucht, weshalb ich auf Straßen und erneut auf Hochwasserschutz Anlagen zurückgreifen musste, diese führten zu meiner Verwunderung auch noch in unmittelbarem Abstand zu Gleisen. Aber irgendwie hatte dieser Weg etwas, er führte durch einen ruhigen, unbesiedelten Wald, keine einzige Seele war hier zu sehen und ich könnte dem Singen der Vögel lauschen! Ich bin ja sowieso ein kleiner Fan von Wäldern, einfach, weil ich mich dort am wohlsten fühle und der Natur so nah bin. Bei mir ist das im Wald ungefähr so, wie wenn du einem Kind etwas schenkst. Ich komme nicht zur Ruhe und muss mir alles genausten anschauen, jedes Blatt, jede Wurzel, jedes Tier und jeder einzelne Baum fasziniert mich und gibt mir ein positives Gefühl. Gerade unberührte Natur habe ich zu schätzen gelernt. Meine Eltern erzählten mir damals, dass sie mit mir als ich noch kleiner war durch einen Wald in der Nähe meines Geburtsortes gefahren sind und meine einzige Aussage ‚Bäh, das stinkt hier’ war. Mittlerweile muss ich darüber schmunzeln, weil ich den Geruch von Wäldern einfach liebe!

 

Nieder und hohe Börde

 

Ich habe da eine Frage an dich, stell dir vor du planst eine wirklich lange Strecke, um mit deinen Freunden eine Radtour zu machen. Ihr alle seit aber nicht gut am Berg, ihr schafft es einfach keine Energie aufzubringen. Würdet ihr dann eine Strecke durch die hohe und niedere Börde planen? Wohl kaum, ich auch nicht, gemacht habe ich es trotzdem. Und ich habe es bereut! Von 79 Höhenmeter auf 159 Höhenmeter gestreckt auf 12 Kilometer, meine armen Beine ouch! Ich bin absolut schlecht darin an Bergen zu fahren, da ich hauptsächlich flache Strecken benutze um mich auf die Geschwindigkeit konzentrieren zu können. Leider gab es keinen Radweg, weshalb ich mit 20 km/h auf einer gut befahrenden Landstraße nach oben fahren durfte, im Nachhinein tat es mir für die Autofahrer ein bisschen leid, aber was will man machen. In der hohen Börde angekommen musste ich mich setzen, mein Körper war erschöpft und benötigte dringendst eine Pause. Da war sie also, eine alte, heruntergekommene Bushaltestelle. Ein erster Blick hinein: Spinnen, Spinne wo man nur hinschaut. Nun musste ich es also riskieren: Auf der Landstraße zusammenbrechen und angefahren werden oder eine Spinne auf der Schulter. Da nahm ich lieber die Spinne auf meiner Schulter in kauf.

 

Biere nach Eickendorf – Ein Stückchen Heimat | Kilometer: 85 km – Zeit: 4 Std 33 (Pausen mit einberechnet)

 

Nur noch 15 Kilometer, ich wusste das ich es schaffe, dennoch war der Drang jetzt einfach aufzugeben und sich mit 85 Kilometern zufriedenzugeben groß. Jede Bank und jede Bushaltestelle sprang mir sofort ins Auge und dieser Gedanke kam nah, ich könnte mich setzen und mich abholen lassen. Ja, ich hätte mich auch einfach setzen können, um mich auszuruhen, aber ich bin mir sicher, dass ich es dann nicht mehr geschafft hätte mein Ziel zu erreichen. Ausdauersport bedeutet das man sich auch mal quälen muss, das habe ich getan, die 38 Minuten, welche noch vor mir lagen, fühlten sich wie Stunden an. Meine Konzentration und Reaktionsgeschwindigkeit ließ nach, weshalb ich mich dazu entschied mich von Landstraßen fernzuhalten und den Wirtschaftswegen zu folgen Dann war es so weit, ich stand an einer Ampel, mein Wahoo Elemnt zeigte mir 99,9 Kilometer an. Nur noch 100 Meter, mein Körper schüttete so viele Glückshormone wie schon lange nicht mehr aus, bis sie erreicht war. Die magische 100. Psychisch habe ich mich danach wirklich gut gefühlt, ich war stolz auf mich und meine erbrachte Leistung, aber körperlich war ich absolut am Ende. Ich musste mich mehrfach daran hindern zu erbrechen, am Ende half mir mein Vater zum Glück das Rennrad in den vierten Stock zu tragen. Den Rest des Tages schlief ich tief und fest. Am Ende kann ich nur sagen: Es hat sich gelohnt, ich hatte eine menge Spaß und habe viele neue Orte entdeckt. Andererseits schmerzen meine Beine, insbesondere die Waden jetzt noch extrem. Wenn ich aufrecht stehe, drücken sich die Venen an meinen Beinen nach außen, dabei entsteht so ein ziehendes Gefühl. Außerdem habe ich Neurodermitis, die vier Stunden in der prallen Sonne haben einen weiteren Schub ausgelöst, weshalb ich die nächsten Tage erstmal ein Päuschen einlege!

Hier kannst du dir die Statistiken zur Runde ansehen!
strava.com/activities/3811015155

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